Echo 2013: Warum der deutsche Musikpreis eben kein Grammy ist

Echo_Logo

Für die Welt und die Amerikaner gibt es den Grammy, die Briten verleihen ihre Brit Awards – und in diesem Atemzug wird auch der deutsche Musikpreis Echo gerne genannt. Jedes Jahr werden nationale und internationale Künstler geehrt, was auch von der internationalen Presse gecovert wird. Vor der großen Verleihung bekommt der Echo in diesen Tagen viel Aufmerksamkeit – und zwar nicht nur durch nominierte Künstler wie Cro und Die Toten Hosen, sondern auch durch reichlich negativen Gegenwind.

Im Mittelpunkt steht ein Sänger, der im letzten Jahr einen großen Karrieresprung vollzogen hat: Mic Donet. Der Soulkünstler wurde Zweiter in Xavier Naidoos Team in der erfolgreichen Castingshow „The Voice of Germany“, die seiner Karriere großen Aufwind gegeben hat. Mentor Xavier Naidoo hat damals seinen Schützling in den höchsten Tönen gelobt, seine selbstgeschriebenen Titel sogar als „grammywürdig“ bezeichnet. Nach dem erfolgreichen Album „Plenty of Love“ kam nun im Februar nun auch noch die Nominierung des deutschen Grammys, dem Echo Award, für die Kategorie „nationaler Künstler“. Welch große Ehre!

Und nun das: Am Montag wurden die Nominierten nochmals bekannt gegeben – jedoch taucht der Name Mic Donet nicht mehr auf, stattdessen der Name des Schlagerbarden Heino, der bereits durch seine Coverversionen deutscher Hits große Medienpräsenz erlangte. Klammheimlich wurde die Nominierung gecancelt, Donet ist „ent-nominiert“ worden. Ein „Skandal“ für Fans des Interpreten und Musikliebhaber. Wenn man sich jedoch das offizielle Reglement der Echo-Verleihung ansieht, wird schnell klar, dass eine solche Vorgehensweise laut Organisatoren völlig „legitim“ ist:

BEWERTUNGSGRUNDLAGE: Die Bestplatzierten der offiziellen Top-100-Album-Charts vom 24. Februar 2012 bis 21. Februar 2013, ermittelt durch media control

Heino hat somit im festgelegten Zeitraum trotz Last-Minute-Veröffentlichung seines Albums mit durchweg gecoverten und nicht selbstgeschriebenen Songs mehr Platten verkauft und Donet überrundet. Der Fall ist dadurch klar und beendet – oder? Nicht ganz, denn hier liegt der Fehler im System: Warum werden bereits Anfang Februar Vorab-Nominierungen kommuniziert, wenn die Nominierten noch nicht mal gesetzt sind? Schön, um bereits pressetechnisch im Februar viel „Gossip“ und „Trara“ zur Veranstaltung zu geben. Der Leidtragende ist jedoch hier der vermeintlich nominierte Musikinterpret, der in letzter Sekunde von einem weiteren Sänger „geschlagen“ wurde. Anstatt den Künstler dennoch zu ehren und Heino zusätzlich zu nominieren, verschwindet der Name ohne weitere Erklärung von der Liste als hätte es die Nominierung nie gegeben. Professionelle Kommunikation und Umgang mit erfolgreichen deutschen Künstlern sieht anders aus. Selbst am Tag der Veröffentlichung der festen Nominierten war auf der Website des Echo Awards immer noch Mic Donet als Nominierter zu sehen – nicht nur ein Hohn für Soulsänger Donet, sondern vor allem auch eine kommunikative Blamage für die Verantwortlichen.

Mittlerweile tobt ein kleiner Shitstorm auf der offiziellen Facebook-Seite des Echo Awards, in dem Fans ihrem Ärger deutlich Luft machen. Nicht nur Donet-Liebhaber, sondern auch Kritiker der Rockband Frei.Wild, die in diesem Jahr ebenfalls nominiert wurde, kritisieren die Vorgehensweise der Echo-Veranstalter – und mittlerweile hat das Thema sogar die klassischen Medien erreicht. Eine Stellungnahme – sei es durch eine Pressemitteilung oder ein kurzes Statement auf Facebook – fehlt jedoch bislang trotz Krisenstimmung komplett.

Warum der deutsche Musikpreis Echo sich nicht auf internationalem Parkett in einem Zug mit Grammy und Brit Awards nennen lässt, wird durch diese Handhabung klar. Was wäre passiert, wenn The Black Keys, Mumford & Sons oder gar Adele erst nominiert, dann jedoch aus der ehrenvollen Reihe der Nominierten einfach sang- und klanglos gestrichen wäre? Es wäre ganz klar ein Desaster. Vielleicht sollte man in Deutschland wirklich von der pseudo-demokratischen Basis der Verkaufscharts abkehren und wieder ein Jurysystem wie bei anderen renommierten internationalen Preisen einführen – um mehr die Kunst und Ästhetik der Musik an sich zu ehren, und weniger den Kommerz im Musikgeschäft. Vielleicht könnte man dann den Musikpreis Echo endlich ernst nehmen.

Logo: Copyright Bundesverband Musikindustrie e.V.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s