Kritik: Disneys „Vaiana“

Anna und Elsa: Macht mal Platz. Zu lange haben wir euren Soundtracks durch die Boxen von heimischen Musikanlagen oder in Sing-a-longs in Disney Themenparks weltweit hören müssen. Zu viele Merchandiseprodukte vom Knuspermüsli bis zur Zahnbürste haben wir in Supermärkte stehen sehen müssen. Also tretet eure Position an jemand Neues ab – und zwar an Disney’s neueste Prinzessin Vaiana.

Ein neuer Disney-Film bedeutet aber noch lange nicht, dass er auch automatisch gut ist. Kann Disney Animation seine Erfolgsgeschichte der letzten Jahre mit „Vaiana“ (Originaltitel „Moana“) nach weltweiten Erfolgen wie „Die Eiskönigin“ und „Zoomania“ fortführen? Kurz und knapp: Ja. Und wie. Dabei kehrt Disney Animation dank Regisseurveteranen John Musker und Ron Clements („Arielle die Meerjungfrau“, „Aladdin“) zurück zu den, wofür Disney Animation schon immer stand: fantasievolle Familienunterhaltung gespickt mit wundervollen Melodien, die lange währen.

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Wir tauchen im 56. Animationsfilm aus dem Hause Disney in die Welt Ozeaniens ein. Die junge Vaiana, Tochter des Stammeshäuptlings, will mehr als nur auf ihrer eigenen Insel bleiben. Sie drängt es immer wieder zum Meer, zu welchem sie eine besondere Verbindung hat – sehr zu ihrem Leidwesen ihres Vaters. Die Natur schlägt jedoch zurück, die Ernte auf der Insel ist schlecht und Nahrung wird knapp. Durch ihre Großmutter erfährt Vaiana, dass ihr Stamm eigentlich ein Seefahrervolk ist. Sie wagt sich mit einem entdeckten Segelboot aufs Meer, um Nahrung zu finden und das Gleichgewicht der Natur wieder in Ordnung zu bringen. Gemeinsam mit dem Halbgott Maui, der an dieser Misere nicht ganz unschuldig ist, versucht sie das Herz der Natur – der Göttin Te Fiti – zurückzugeben. Eine abenteuerliche Reise beginnt.

Zugegeben: „Vaiana“ mag nicht die Tiefe des fabelhaften Vorgängers „Zoomania“ rankommen. Das muss der neueste Streifen der Walt Disney Animation Studios auch nicht. Die Stärken von „Vaiana“ liegen nämlich ganz woanders. Atemberaubend ist vor allem die Technik: Noch nie sahen CGI-Animationen von Wasser und Haaren so echt und detailliert aus. Hintergründe, Texturen, Character Design fügen sich hier zu einem farbenprächtigen und bisher so noch nicht dagewesenen Gesamtbild zusammen, vor dem die Konkurrenz sofort vor Neid erblasst. Das ist Animation in Perfektion.

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Ins Herz schließen möchte man vor allem die Charaktere. Vaiana ist perfektes Vorbild für junge Mädchen, sie packt an und versucht alles aus eigener Kraft zu schaffen. Maui mag zwar nicht der sympathischste Kerl im Disney-Universum sein, seine Ecken und Kanten machen ihn zusammen mit seiner emotionalen Hintergrundgeschichte jedoch zu einer extrem vielschichtigen Figur. Einen Glanzmoment hat Disney mit der Riesenkrabbe Tamatoa geschaffen, die kein richtiger Bösewicht ist, jedoch die Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft personifiziert. Es zählt nur, wie man aussieht. Wen juckt schon der Charakter?

Das allumfassende Element  von „Vaiana“ und eine der größten Stärken des Films ist die Musik. Shootingstar Lin-Manuel Miranda (Musiksensation „Hamilton“ in den USA), Komponist Marc Mancina und der samoanischen Künstler Opetaia Foa’i haben gemeinsam ein Gesamtkunstwert kreiert, das modern und zeitgemäß ist, wundervolle Disney-Hymnen bietet, aber auch gleichzeitig den Vibe Ozeaniens perfekt wiedergibt. Der Soundtrack hat Ohrwürmer en masse, die einen auch lange nach dem Kinoerlebnis noch begleiten werden.

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Perfektion pur? Nicht ganz, zumindest im deutschsprachigen Raum – denn so faszinierend und packend „Vaiana“ ist, so ist die deutsche Synchronfassung der größte Wermutstropfen. Lina Larissa Strahl („Bibi & Tina“) spricht Vaiana äußert lebendig und vielseitig, leider mag ihre Stimmfarbe nicht ganz zu Vaiana passen. Anstrengender wird es bei Sänger Andreas Bourani, der in der deutschen Fassung von „Vaiana“ den starken Halbgott Maui spricht und singt. An die Leichtigkeit von Dwayne „The Rock“ Johnson kommt er nicht annähernd heran, sein „deutscher Maui“ ist nicht facettenreich genug, um die Figur zum Strahlen zu bringen.

Schlimmer sind allerdings die deutschen Songtexte, die ziemlich nach dem „Reim dich oder ich fress dich“-Prinzip umgesetzt wurden. So wird aus einem Ohrwürmer des Films „You’re Welcome“ ein ziemlich holpriges und textlich fast banales „Voll Gerne“. Wenn man bedenkt, wie gut teilweise die deutschen Synchronfassungen der letzten Jahre aus dem Hause Disney waren, schmerzt es erst recht, dass man gerade bei einem Meisterwerk wie „Vaiana“ nicht mehr herausgeholt hat. Der deutsche Abspannsong von Helene Fischer inkludiert.

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Kann man über diese Schwäche hinwegsehen? Aber ja doch. „Vaiana“ ist ein visuell und emotional solch atemberaubender Animationsfilm, dass selbst die dürftige deutsche Synchronsation dem Charme, dem Abenteuer und den fabelhaften Charakteren nichts anhaben kann. Wem es im Winter immer zu kalt ist, der findet in „Vaiana“ genau den richtigen Weihnachtsfilm. Voller Ohrwürmer, voller Herz und voller wundervoller Bilder. Ab ins Kino. Und dann am Besten gleich den nächsten Flug in die Südsee buchen, um diese Welten live zu erleben.

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