ITFS Stuttgart – Tag 2: Andy Hendrickson über Kunst, Technologie… und Rapunzel

So, gerade ist Verschnaufspause angesagt, daher habe ich Zeit für ein kurzes Update. Stuttgart versinkt gerade gnadenlos im Regen: Es gießt wie aus Eimern, es ist mordskalt (Schal ist Pflicht!) und das Grau in Grau stimmt einen nicht gerade fröhlich, wenn man morgens aus dem Haus geht. Ich frage mich auch, ob und wie die angekündigte Open-Air-Veranstaltung mit David Silverman zu „The Simpsons Movie“ stattfinden soll… der Regen zeigt kein Erbarmen vor der Trickkunst. Durch den Wetterblues hatte ich mir heute Mittag ernsthaft überlegt, die Disney Lecture mit Chief Technology Office Andy Hendrickson von Disney Animation sausen zu lassen und mir heute Abend dann ganz gemütlich „Toy Story 2“ in 3D anzuschauen. Ich bin froh, dass ich dies doch verworfen habe. Eigentlich lief diese Disney Lecture unter dem Titel „Art inspires Technology inspires Art – the virtous cycle of creation in today’s entertainment“. Joah, klingt nach einem ziemlich breiten Thema – sicherlich 3D, CGI und was alles dazu gehört. Natürlich präsentiert Disney auch immer aktuelle oder kommende Projekte, so dass sich – überraschenderweise – die Hälfte dieser Lecture um „Tangled“ bzw. „Rapunzel“ drehte! Yes! Zu Beginn wurde zudem auch auf die anderen kommenden Disney Lectures mit Bruce Smith zu „The Princess and the Frog“ und Leo Sanchez Barbosa zu „Rapunzel“ hingewiesen, da wächst die Vorfreude umso mehr. Diesmal habe ich euch ein paar Fotos mitgebracht, entschuldigt jetzt schonmal die leichte Helligkeit der Bilder, das Kino bietet nicht gerade die optimalsten Bedingungen für Fotografieren ohne Blitz.


Andy Hendrickson erzählt dabei viel über die Anfänge der Zeichentechnologien – vom 10. Jahrhundert über einfache Bildteppiche über Albrecht Dürers Vorrichtungen für das perspektivische Zeichnen bis zur heutigen Animationskunst Disney („The Old Mill“ Perspektiven, Technicolor, Multiplane Camera, CAPS System, Stereoscope). Hendrickson arbeitete zuvor u. a. bei Industrial Light & Magic, wo er Mitverantwortlicher für die Dinosaurier-CGI-Animationen bei „Jurassic Park war, dann zu DreamWorks wechselte und nun seit vier Jahren bei Disney arbeitet. Interessant bei seiner Zeitreise waren die gezeigten Depth Szenen zu „The Beauty and the Beast“ 3D, der in den USA in ausgewählten Kinos erscheinen wird, jedoch hingegen die deutschen Fans mal wieder in die Röhre schauen dürfen. Vielleicht klappt es ja für eine Sonderaufführung beim nächsten Trickfilmfestival 2011.

Und schon ging’s mitten hinein in die Technologie von „Rapunzel“ – Ausgangsbild ist das altbekannte Artworkfoto, was sicherlich einige von uns langsam nicht mehr sehen können, weil es anstatt neuer Screenshots nahezu überall auftaucht. Aber es ist der Ausgangs punkt für viele Technologien, die man benötigte um dieses Artwork in CGI umzuwandeln.

Laut Hendrickson hat es 3-4 Tage gedauert, bis dieses Artwork fertig gestellt wurde. Die Hauptarbeit bestand nun darin, genau dieses Bild in CGI-Technologie umzusetzen. Dabei musste man auf die Texturen eingehen, wie die einzelnen Schatten und Lichtspektren. Als Beispiel wurde hier eine Nahansicht von Rapunzels Kleid gezeigt, das durch die detaillierten Stoffstrukturen sehr realistisch wirkt. Der unten gezeigte Shot dient dabei nur zur Demonstration und ist so im fertigen Animationsfilm nicht zu sehen.
Um dem Artworks weiter Leben einzuhauchen, müssen Baume, Wasserfälle und Böden durch exklusive Disney-Software wie XGen (Gras), DLight, Paint 3D eingesetzt werden. Das hat auch zum Vorteil, dass ein Projekt nicht durch viele verschiedene Stufen und somit durch unterschiedliche Hände wandelt, sondern mehrere Art Departments gemeinsam mit einer bzw. den gleichen Softwares arbeiten, so dass die verschiedenen Produktionsstufen minimiert werden, was gleichzeitig auch zur Qualitätssicherung und letztendlich auch zu einem runderen Gesamtbild führt.
Ein CGI-animierter Baumstamm aus „Rapunzel“ – auch die Weinranken um den Turm mussten mit CGI und spezieller Software bearbeitet werden, um eine geeignete Adaption und ein realistisches Ergebnis zu bekommen.

Rapunzels Haus war ebenfalls zu sehen, das wie eine kleiner Version von dem haus der sieben Zwerge aus „Schneewittchen“ dient – dieser 3D-Shot diente vorallem als Beispiel für die komplexen Grasstrukturen in „Rapunzel“. Auf dem oben zu sehenden Weg werden Rapunzel und ihre Liebe Flynn dann im fertigen Film wohl entlang gehen.

Im anschließenden Q&A erwähnt Hendrickson wieder, dass „The Princess and the Frog“ zwar „underbudget“ und „on time“ war, jedoch nicht der Erfolg, den man sich bei Disney erhofft hatte. Als Grund, warum es nicht so geklappt hatte, nannte Andy Hendrickson den Start beinahe parallel zu „Avatar“, so dass die Massen eben in das 3D-Event des Jahres strömten, anstatt sich einen handgezeichneten Zeichentrickfilm anzuschauen.

Ein paar Worte gab es auch zum „Winnie the Pooh“-Projekt, bei dem der Stil der alten Winnie Pooh-Filme beibehalten wird und es sich inhaltlich um die Umsetzung eines Originalbuchs handelt, das bis jetzt noch nie adaptiert wurde.

Mit einem CGI-Bild von Rapunzels Haarpracht verabschiede ich mich für heute bei euch und mache mich auf zur Vorführung von „Toy Story 2“ in 3D.

Bis morgen, eure Esbinaca

Copyright – Fotos: Esbinaca’s Entertainment Blog / Präsentation: Andy Hendrickson, Walt Disney Animation

6 Gedanken zu „ITFS Stuttgart – Tag 2: Andy Hendrickson über Kunst, Technologie… und Rapunzel

  1. Entschuldigung fur mein deutsch, ich komme aus Holland and obwohl ich deutsch gut verstehen kann ist schreiben eine andere sache.

    Ich wunderte mich of du vielleicht noch mehrere bilder hasst von die Tangled presentation. Oder vielleicht einige videos? Die wurde ich mir sehr gerne anschauen. Selbst wenn die in deine augen nicht vollig gut sind mit beleuchtung etc.

    Vielen dank jedenfals fur den report!

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    1. Hey Rob – dein Deutsch ist wirklich gut, keine Sorge. Leider waren das die besten und einzigen Bilder aus der Präsentation von Andy Henrdrickson. Diese wurde übrigens am Donnerstag auf dem Internationalen Trickfilmfestival gehalten. Ich war ebenfalls am Samstag auf der großartigen Präsentation von Leo Sanchez Barbosa – ein großer Bericht dazu wird heute im Laufe des Tages, spätestens morgen folgen – allerdings OHNE Bilder und Videos, da ich das auferlegte Disney-Copyright respektieren werde. Ich werde mich aber dafür auf das geschriebene Wort stützen und trotzdem ein paar neue Einblicke in „Tangled“ geben. Daher: Bleib dran!
      Vielen Dank für dein Feedback!

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  2. vielen dank fur das kompliment und die infos. Hast du bei der Prasentation von Leo Sanchez Barbosa uberhaupt keine bilder gemacht oder ist es nur so dass du die bilder die du gemacht hast nicht publizieren werdest? Ich wurde mich gerne alle bilder ansehen, privat (durch email vielleicht? ) oder online. Ich bin sehr discreet und kann sehr gut ein geheimnis behalten, ich bin nur unbeschreiblich neugierig und hatte nicht die chance ab zu reisen nach Deutschland fur die prasentation.

    Vielen dank fur den feedback bis jetzt.

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