Kritik: Disneys Science-Fiction Spektakel „A World Beyond“ ist inspiriendes Blockbusterkino für Träumer

Kritik: Disneys

Schillernd und inspirierend: Regisseur Brad Bird erschafft die futuristische Welt von Disneys Tomorrowland mit George Clooney und Newcomerin Britt Robertson zum Leben. Ob das auf der Leinwand funktioniert, lest ihr hier in meiner Kritik zu Disneys „A World Beyond“.

Was passiert, wenn die intelligentesten Menschen und größten Erfinder der Welt wie Jules Verne, Gustave Eiffel, Thomas Edison, Nikola Tesla und Thomas Edison gemeinsam einen Ort erschaffen, um unsere Welt zu verbessern? Dieser Frage geht Disneys neuestes Science-Fiction-Spektakel „A World Beyond“ (ehemaliger, und auch äußerst furchtbarer deutscher Titel „Projekt: Neuland“) nach. Nach der „Pirates of the Caribbean“-Reihe ist es der erste Film, der erneut auf einem Element der Disney Themenparks basiert. In diesem Fall ist es Tomorrowland – ein futuristischer Themenbereich aus Disneyland und Magic Kingdom, um welchen Regisseur Brad Bird („Die Unglaublichen“, „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“) gemeinsam mit Autor und Produzent Damon Lindelof („LOST“) eine völlig eigene Geschichte kreiert haben. Diese Geschichte ist angesichts der riesigen Franchise- und  Sequel-Welle nicht nur äußerst originell beziehungsweise original, sondern sie trifft auch inmitten des allgegenwärtigen Zukunftsthemas den Nerv unserer Zeit.

Kritik zu Disneys Science-Fiction-Film

Zu Beginn ist Disneys „A World Beyond“ wahrhaftig ein absolutes Freudenfest für jeden, der sich intensiv mit der Marke Disney und ihrer Historie befasst. Die große Eröffnungsszene auf der New Yorker Weltausstellung von 1964 / 1965, auf welcher Walt Disney viele berühmte Innovationen ausgestellt hatte, ist ein toll umgesetzter Trip die Vergangenheit und ein wahrer Genuss: Da glitzern die Augen vor vielen visuellen Eindrücken der Weltausstellung, da erfreut sich das Ohr an ach so bekannten Melodien, die man aus den Disney Parks weltweit kennt – so ist man selbst im Kino doch kurz davor, laut die „It’s a Small World“-Melodie mitzupfeifen.

Mitten in dieser nostalgischen Atmosphäre wird der junge Frank Walker eingeführt, der seinen selbstgebauten Raketenrucksack in der „Hall of Invention“ vorstellt, jedoch dort erstmal von Wissenschaftler David Nix – gespielt von „Dr. House“ Hugh Laurie – abgewiesen wird. Obwohl Kinderschauspieler oftmals einen doch etwas angestrengten Eindruck hinterlassen, spielt Thomas Robinson den jungen Walker extrem authentisch und charismatisch, insbesondere auch im Zusammenspiel mit dem mysteriösen Mädchen Athena (raffiniert verkörpert von Raffey Cassidy, „Fargo“), das an Franks Fähigkeiten glaubt und ihm Zugang zu Tomorrowland mittels eines Pins gewährt.

Kritik: Disneys

Viele Jahre später ist es auch Athena, die in der jungen Casey Newton, einem wissbegierigen Wissenschafts- und NASA-Fan, etwas „Besonderes“ sieht und sie ebenfalls für Tomorrowland „rekrutiert“. Newcomerin Britt Robertson spielt hier äußerst erfrischend, emotional und glaubwürdig. Ihr Charakter ist sehr greifbar, steht Casey doch als Sinnbild für viele junge Menschen, die Ideen haben und etwas nachhaltig verändern möchten, sie aber oftmals aufgrund Anderer nicht verwirklichen können. Auf der Suche nach Tomorrowland, trifft Casey das gealterte und verbitterte Genie Frank Walker – wie immer äußerst souverän gespielt von George Clooney – auf, der von seiner Vergangenheit in Tomorrowland jedoch nichts mehr wissen möchte. Mithilfe von Athena formt sich jedoch ein Trio, das gemeinsam mit ihren Fähigkeiten zusammenarbeiten muss, um Tomorrowland und auch die Welt zu retten.

Visuell ist Tomorrowland außerordentlich zeitgemäß und stilvoll umgesetzt – schillernd wie eine futuristische Version der grünen Smaragdstadt aus dem Filmklassiker „Der Zauberer von Oz“. Dabei ist Tomorrowland aber nicht einfach eine blanke Kopie aus Disneyland: Bird kreiert hier seine ganz eigene und aus der Sicht unserer Zeit völlig neue und eigene Version des Disney’schen Themenbereichs. Zwar erkennt man bekannte Strukturen wie der weiße Dome der Weltraum-Achterbahn „Space Mountain“, Bird ergänzt aber seine Zukunftswelt durch Adaptionen zeitgemäßer, architektonischer Meilensteine wie der weißen und sehr stilvollen Ciudad de las Artes y de las Ciencias im spanischen Valencia oder dem Komplex um den Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai. Dieser Mix lässt Tomorrowland trotz (sehr guter) CGI- der VFX-Schmiede Industrial Light & Magic echt wirken. Von der ersten, sehr aufregenden Begegnung an will man mehr erleben, mehr entdecken und Teil von dieser wundervollen utopischen Welt werden. Und fragt sich insgeheim enttäuscht, warum ein solcher Ort nicht existiert.

Kritik: Disney Sci-Fi-Film

Birds Inszenierung von „A World Beyond“ schafft es, eine perfekte Balance zwischen moderner Science-Fiction, realer (Disney-) Historie und Blockbusterkino zu halten. Lindelof („LOST“) hat gemeinsam mit Bird zum Teil irrwitzige Einfälle inszeniert, wie der actionreiche Besuch im Nerd-Shop „A Blast from the Past“, in welchem aufmerksame Kinozuschauer nicht nur allerlei Memorabilia auf Science-Fiction-Filme wie „Star Wars“ oder auch „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ entdecken können, sondern auch Brad Birds eigene Filmhistorie zu. Daher Augen auf, denn Mr. Incredible und der Gigant aus dem All haben hier als Actionfiguren kleine, aber feine Cameos.
Fast ironisch wirkt auch der Einsatz der „AAs“ (Audio-Animatronics) in der Rolle der bösartigen, fast Terminator-gleichen Handlanger, schließlich sind die technischen Roboter eine weitere Erfindung, die Walt Disney auf der New Yorker Weltausstellung perfektioniert hat und bis heute noch in Disney-Themenparks weltweit zu finden sind – ein perfektes Beispiel dafür, mit wie viel Kreativität und Feingefühl in „A World Beyond“ gearbeitet wurde.

Disneys

Zu den sicherlich größten Höhepunkten des Films gehört die Szene am Pariser Eiffelturm: Seit „A World Beyond“ ist Gustave Eiffels Turm nämlich nicht nur Sehenswürdigkeit, sondern Basis für eine Rakete, die in eine andere Dimension führt. Solche verrückten und kreativen Einfälle braucht modernes Blockbusterkino. Dass man hier Steampunk-Elemente und Stile findet, die man auch im Themenbereich „Discoveryland“ im Disneyland Paris – der von Visionär und „Tomorrowland“-Mitbegründer Jules Verne inspirierten, europäischen Version des „Tomorrowlands“ – sieht, ist ebenfalls sicherlich kein Zufall.

Den letzten Schliff für das eindrucksvolle Zukunftsspektakel verleiht Komponist Michael Giacchino, der bereits mit Regisseur Brad Bird an Pixar-Blockbustern wie „Ratatouille“ und „Die Unglaublichen“ zusammengearbeitet hat, und für „A World Beyond“ wieder in die Vollen gegangen ist. Sein abenteuerlicher und futuristischer Score, der bereits beim Titlescreen zu Beginn für Gänsehaut sorgt, könnte zweifelsohne zu seinen besten Kompositionen bislang gehören. Ergänzt wird durch klassische Songs der Sherman Brothers aus klassischen Disney Attraktionen aus dem kultigen Disney-Drehtheater „Carousel of Progress“, das noch heute im Magic Kingdom Park in Walt Disney World Florida zu sehen ist, oder auch der ohrwurmlastige Titelsong zur Boots-Attraktion „It’s a Small World“.

Kritik zu Disneys Sci-Fi-Film

Vor lauter Überlebensgröße von Tomorrowland ist jedoch das Finale von „A World Beyond“ ein kleiner Wermutstropfen. Im Vergleich zu vorangegangen Highlightszenen wie dem Eiffelturm wirkt der Showdown etwas zu ruhig und beinahe ein wenig unspektakulär, so dass man stellenweise doch denkt: „Da hätte noch mehr gehen können.“ Das mag vor allem auch an Hugh Lauries Charakter David Nix liegen, dem es durchaus an Tiefe fehlt und dessen Entwicklung nicht zuletzt durch sehr wenige Momente mit ihm ein wenig auf der Strecke geblieben ist. Möglicherweise könnte aber dieser Eindruck bei einem möglichen Rewatch sich revidieren, das wäre dann doch eher in die Kategorie „Meckern auf hohem Niveau“ einzuordnen.

„A World Beyond“ ist nicht nur gut inszeniertes Sci-Fi-Kino, das ein breites Kinopublikum anspricht: Der Film lebt einen „Spirit“ in einer kreativen Umgebung, den Walt Disney damals zu Lebzeiten gelebt hat und welcher schon lange nicht mehr in solch einem Ausmaß in einem Film inszeniert wurde. Imagination und Träume bestimmen unsere Zukunft. Und die Welt braucht Träumer voller Hoffnung, die von einer besseren Welt träumen und diese aktiv und positiv verändern wollen. Eine schöne Botschaft, die uns Brad Bird eindrucksvoll mit „A World Beyond“ vermittelt und den Kinozuschauer auch nachhaltig inspiriert. Wie singt man so schön in der Disney-Attraktion „Carousel of Progress“: „There’s a great big beautiful tomorrow – just a dream away“.

A WORLD BEYOND
AB 21. MAI 2015 IN DEUTSCHEN KINOS

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