[BERICHT] „Harry Potter: The Exhibition“ in Köln

Harry Potter: The Exhibition - Jetzt in Köln

Requisiten, Kostüme und mehr: „Harry Potter: The Exhibition“ ist zum ersten Mal in Deutschland im Odysseum Köln zu sehen. Ob es sich lohnt, könnt ihr in meinem folgenden Bericht lesen.

Über drei Jahre ist es bereits her, dass Harry Potter auf der großen Leinwand zu sehen war. Bis heute hat sich an der Anziehungskraft des zauberhaften Franchises nur wenig verändert: Merchandise in Hülle und Fülle bekommt man in Kleidungsgeschäften und „Nerdshops“ wie Hot Topic und Elbenwald, Themenbereiche zu Hogwarts und Winkelgasse findet man in den Themenparks der Universal Studios in Orlando und Osaka, in Leavesden bei London kann man in den Warner Bros. Filmstudios eine Tour u. a. durch die „echte“ große Halle machen. Diejenigen, denen das zu weit ist, werden durch die tourende Ausstellung „Harry Potter: The Exhibition“, die in verschiedensten Großstädten weltweit gastiert, bedient. Seit 3. Oktober 2014 macht die Harry Potter Ausstellung auch in Deutschland Halt, anscheinend zu ihrem einzigen Stop hierzulande im Odysseum in Köln.

Dies ist Grund genug für mich gewesen, einen Tagestrip nach Köln zu wagen. Als jemand, der bereits den Themenbereich „The Wizarding World of Harry Potter“ in Universal Orlando in Florida besucht hat, war es für mich doch recht schwierig, nicht allzu hohe Erwartungen an die Ausstellung zu stellen, Das Erlebnis im Themenpark „Islands of Adventure“ und in den Universal Studios in Orlando ist visuell als auch technisch eine Meisterleistung, die zu den besten Themenpark- und Filmerlebnissen weltweit zählen. Dass eine tourende Ausstellung diese Qualität nicht halten kann, liegt daher beinahe auf der Hand. Ähnlich wie bei der Marke Disney ist jedoch auch das „Harry Potter“-Franchise ein Garant für ein gewisses Qualitätslevel, von dem man vermutet, dass es einen auch nicht enttäuschen kann. „Harry Potter: The Exhibition“ kann daher doch eigentlich gar nicht so schlecht sein – oder doch?

Reist man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ab dem Kölner Hauptbahnhof nach Köln-Kalk an, ist dies zu Beginn alles andere als zauberhaft. Mit vielen Familien steigen wir an der uns online angegebenen Haltestelle Trimbornstraße aus. Jedoch ist ab hier absolut nichts ausgeschildert. Nach links, doch nach rechts? Andere angereiste Familien und junge Pärchen stehen ebenfalls etwas verloren an der Kreuzung, während sie wild auf ihren Smartphones herumtippen. Nach einer Runde Google Maps haben wir letztendlich unsere Richtung gefunden. Gute Ausschilderung und eine reibungslose Anreise zu einer Veranstaltung sieht wirklich anders aus.

Großer Andrang auf die Ausstellung vorm Kölner Odysseum
Großer Andrang auf die Ausstellung vorm Kölner Odysseum

Bereits von weitem sehen wir die Menschenmassen, die bereits ungeduldig vorm Kölner Abenteuermuseum „Odysseum“ auf ihren Einlass warten. Aber auch hier wirkt das Ganze relativ unorganisiert: Es gibt offensichtlich zwei verschiedene Warteschlangen, von denen der Unterschied trotz Schilder nicht richtig verständlich ist. Große Banner mit dem Logo zur Ausstellung und der weltbekannte Soundtrack von John Williams sollen uns in die richtige Stimmung bringen. Die Imbissstände mit Frittösenduft verleihen dem ganzen eher Kirmesatmosphäre als Magie. Wir haben unsere Tickets bereits online gekauft, unsere Einlasszeit: 12:45 Uhr. Da wir auf Nummer sicher gehen wollten, waren wir bereits um 12:20 Uhr am Eingang. In der Ausstellung selbst waren wir jedoch erst gegen 13.30 Uhr. Trotz vorbestellter Tickets kommt somit noch eine ordentliche Wartezeit von über 70 Minuten hinzu, was grenzwertig erscheint.

Grund dafür sind die künstlich erschaffenen Wartezeiten durch ein sehr undurchsichtiges Einlasssystem im Odysseum Köln. Ganze vier Wartebereiche durchläuft der Besucher, bevor er die eigentliche Ausstellung betreten darf: Warten vor dem Hauptgebäude, Warten in einer Lobby, Warten im Atrium vor einer (etwas unnötigen) Fotolocation, Warten vor den Eingangstüren zur Ausstellung. Warten als großer Bestandteil der Ausstellung. Die Mitarbeiter des Odysseums wirkten äußert überfordert mit den Besuchermassen, was angesichts der andauernden Popularität des Franchises rund um den Zauberlehrlings doch ziemlich überraschend ist. Welch Überraschung, dass eine groß beworbene Harry Potter-Ausstellung viele Besucher anziehen kann! Ich war von Anfang an skeptisch, ob das Wissensmuseum für Kinder tatsächlich ein geeigneter Ort für eine solch große Ausstellung ist. Diese Frage kann man nun tatsächlich verneinen.

Die Einstimmung auf die eigentliche Ausstellung ist nach der Wartezeit jedoch recht nett gelungen: In einer Pre-Show dürfen Teilnehmer einer Einlassgruppe den sprechenden Hut aufsetzen, um dann zu erfahren, in welches Haus sie gehören. Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw oder Slytherin? Den Kindern machte dies sichtlich Spaß. Im nächsten Raum wurden auf vertikalen Bildschirmen die größten Szenenhighlights der „Harry Potter“-Filmreihe zur Einstimmung gezeigt. Warum man hier die Filmausschnitte nicht in einer ordentlichen HD-Qualität zeigen konnte, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben.

Zahlreiche Requisten und Kostüme der Filmreihe in "Harry Potter: The Exhibition"
Zahlreiche Requisten und Kostüme der Filmreihe in „Harry Potter: The Exhibition“

Darauf folgt aber als Entschädigung wahrlich der beste Moment der gesamten Harry Potter-Ausstellung: Das vermeintlich schwarze Tor erhebt sich und enthüllt den leuchtenden Hogwarts Express bei Nacht – wir sind angekommen. Nach der beeindruckenden Replika des Führerwagens des Hogwarts Express betritt man den Gemeinschaftsraum von Gryffindor und kleine Ausstellungsbereiche der Klassen- und Lehrerräume von u. a. Gilderoy Lockhart, Dolores Umbridge und Pomona Sprout.

Vor Hagrids Hütte: Seidenschnabel aus "Harry Potter und der Gefangene von Askaban"
Vor Hagrids Hütte: Seidenschnabel aus „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“

Wie auch in den Filmen wird die Ausstellung von Raum zu Raum düsterer: Nach einer recht großen Quidditch-Sektion verlässt man den Schulbereich und kommt nach einem Besuch von einer Nachbildung von Seidenschnabel in Hagrids Hütte und von dort aus in den verbotenen Wald, wo man neben der Spinne Aragog auch den ungarischen Hornschwanz, der gefährlichste Drache des Trimagischen Turniers, entdecken kann. Anschließend haben die Bösewichte ihren großen Auftritt: Kostüme der Malfoys, der Totesser wie u. a. von Bellatrix Lestrange und Lord Voldemort werden präsentiert.

Lucius Malfoy & Co.: Die Totesser in "Harry Potter: The Exhibition"
Lucius Malfoy & Co.: Die Totesser in „Harry Potter: The Exhibition“

Visuell schön umgesetzt ist der Bereich der Großen Halle, der unmittelbar nach dem düsteren Totesserbereich folgt, jedoch aber etwas zu dunkel als im Original daher kommt. Einige Highlights der Ausstellung befinden sich hier, wie zum Beispiel die eleganten Ballkostüme von Harry, Hermine und Ron in „Harry Potter und der Feuerkelch“, der Trimagische Pokal oder eine Nachbildung des Phönix „Fawkes“.

In der großen Halle warten Festkleider aus "Harry Potter und der Feuerkelch" auf die Besuchen
In der großen Halle warten Festkleider aus „Harry Potter und der Feuerkelch“ auf die Besucher

Und urplötzlich befindet man sich sofort klassisch im Souvenirshop. „Exit through the gift shop“. Die Ausstellung ist zu Ende. Ein solch abruptes Ende hat eine großbeworbene Attraktion um Harry Potter wahrlich nicht verdient. Zudem ist der Moment in der großen Halle tatsächlich der, an dem ich mich persönlich endlich nach knapp 60 Minuten in die Stimmung der Ausstellung reingefunden habe.

Sehr dürftiges Angebot an überteuertem Merchandise in der Harry Potter-Ausstellung
Sehr dürftiges Angebot an überteuertem Merchandise in der Harry Potter-Ausstellung

Ich persönlich liebe Merchandise von geliebten Film- und Serienreihen. Das Angebot des Merchandiseshops von „Harry Potter: The Exhibition“ ist jedoch nicht nur in seiner Auswahl und Qualität ernüchternd, sondern auch gnadenlos überteuert. Eine Packung Bertie Bott’s Bohnen für 5 Euro, eine Hedwig-Plüscheule für 50 Euro – solche happigen Preise kennt man noch nicht mal aus Disney Parks oder „The Wizarding World of Harry Potter“ und bescheren sicherlich dem ein oder anderen Elternteil Ohnmachtsanfälle. So blieb es bei mir bei einem Souvenirheft, das die einzelnen Ausstellungsparts bebildert und mit weiteren Informationen zur Filmreihe wiedergibt. Immerhin etwas.

Lohnt sich die Harry Potter Ausstellung?
Ich bin ehrlich: Jein. Auf der einen Seite bekommt man einen schönen, wenn auch äußerst komprimierten Eindruck von vielen bekannten Kostümstücken und Requisiten aus der „Harry Potter“-Filmreihe, die durchaus visuell beeindruckend in Szene gesetzt werden. Auf der anderen Seite jedoch hat man das Gefühl, dass hier den Besuchern nur ein „Sneak Peak“ gewährt wird und doch einige Details ausgespart werden. Besucher, die einen Blick hinter die Kulissen erwarten, werden zudem enttäuscht werden. Auch wenn man im Titel mit „Exhibition“ wirbt, hätte man hier vielleicht dennoch mehr als eine reine, thematisierte Ausstellung präsentieren können, um der großen Filmreihe Tribut zu zollen. Der Einsatz von Multimedia und weiteren Effekten ist zu dem ebenfalls zu kurz gekommen – gerade bei einem Bewegtbildfranchise erwartet man doch mehr als nur spärlich verteilte Screens, auf denen man ein paar Szenenhighlights zeigt.

Wer nicht viel reisen mag, wird mit „Harry Potter: The Exhibition“ in Köln die beste (und wohl auch einzige) Möglichkeit haben, die Welt um Hogwarts mehr oder weniger live zu erleben. Allen anderen empfehle ich auf eine Reise nach London oder Orlando zu sparen, um das ultimative, hochqualitative und multisensuale „Harry Potter“-Erlebnis zu erleben – ohne jegliche Organisationsdefizite und „Sneak Peek“-Charakter.

„Harry Potter: The Exhibition“ ist im Odysseum in Köln voraussichtlich bis zum 1. Februar 2015 zu sehen. Tickets gibt es unter RTL Tickets oder an der Tageskasse nach Verfügbarkeit.

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