Kritik: Disneys „Descendants – Die Nachkommen“ zwischen Gut und Böse

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Disneys neuester Disney Channel Film „Descendants – Die Nachkommen“ ist vieles: Fantasyfilm, Musical, Highschool-Flick  – und vor allem ein absolut kalkuliertes Marketingprodukt. Man kombiniert bestehende Disney-Charaktere aus beliebten Disney-Klassikern wie „Dornröschen“ und „Die Schöne und das Biest“, streut noch eine Prise der ABC-Märchenserie „Once Upon A Time“ und der Mattel-Puppenreihe „Ever After High“ ein – und voilà: Fertig ist der neue Disney Channel-Film, der erfolgreiche Filmreihen wie „High School Musical“ beerben soll. In den USA hatte diese Kombination bereits großen Erfolg: Bei der Premiere im amerikanischen Disney Channel schalteten zur Premiere von „Descendants – Die Nachkommen“ 6,6 Millionen Zuschauer ein.

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Regisseur Kenny Ortega („Dirty Dancing“, „High School Musical“) erzählt die Geschichte der Nachkommen ikonischer Disney-Bösewichte, die auf eine Insel verbannt wurden und von dort aus ihr rebellisches Dasein ausleben – wäre da jedoch nicht Prinz Ben, Sohn von Belle und dem Biest aus dem Königreich Auradon, der in einem Pilotprojekt die verstoßenen Kinder des Bösewichte auf seine Schule einlädt und somit Mal, Evie, Carlos und Jay erstmals die Genehmigung bekommen, die Insel zu verlassen und gemeinsam mit den Kindern der „guten“ Disney-Charaktere die Auradon Preparation School zu besuchen. Natürlich können die Kinder der durchtriebenen Schurken ihre boshafte Ader nicht einfach abstellen, was zu einigen Turbulenzen führt. Das klingt nicht nur völlig „over the top“, sondern ist auch in der Umsetzung in typischer Disney Channel-Filmmanier gewohnt „cheesy“ und glatt.

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Bei der Besetzung setzt man auf bekannte Disney Channel-Gesichter: Den Hauptcharakter in „Descendants“ – Malefiz‘ Tochter Mal – verkörpert „Liv und Maddie“-Darstellerin Dove Cameron, Cameron Boyce („Jessie“) spielt Carlos, den Sohn von Cruella de Vil, der ironischerweise an einer Hundephobie leidet. Als Newcomer ergänzen die Sängerin Sofia Carson als narzisstische Evie und Booboo Stewart als Jay – Sohn von Dschafar – den Cast. Alle vier Hauptdarsteller bemühen sich sehr und schaffen es tatsächlich, dass man zwischendurch tatsächlich trotz der überzogenen Story irgendwie Spaß an Disneys „Descendants“ hat.

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Doch der Spaß hat leider seine Grenzen: Völlig missglückt sind die Eltern der Descendants – die bekannten Disney-Bösewichte Malefiz (eine ziemlich unterforderte Kristen Chenoweth), Dschafar (blass: Maz Jobrani), Cruela de Vil (übertrieben und fehlbesetzt: Wendy Raquel Robinson) und böse Königin (kaum zu erkennen: Kathy Najimi aus „Sister Act“ und „Hocus Pocus“). Die Bösewichte sind hier nicht die Ausgeburt des klassischen Bösen, die alle nicht nur fürchten, sondern auch lieben. Sie sind in „Descendants“ leider völlig zu Nervensägen mutiert, da sie völlig übertrieben skizziert sind, weswegen man sich wünscht, dass die Szenen mit den Eltern der „Descendants“ doch bitte ganz schnell vorbei sind.

Sieht man mal von der doch recht schmissigen und Dubstep-Elektro-lastigen Eröffnungsnummer „Rotten to the Core“ ab, sind die einzelnen Songs im Vergleich zu vergangenen Disney Channel Musicalfilmen eher blass und bleiben wenig im Gedächtnis. Dass man Kristin Chenoweth (Musical „Wicked“, „Pushing Daisies“) als Malefiz die klischeehafte Showstopper-Nummer „Don’t you wanna be evil“ auf’s Auge gedrückt hat, ist kaum verschmerzbar, ebenso wenig wie die Acapella-Version von „Be our Guest“, die wohl nur aufgrund der Beliebtheit von „Glee“ und „Pitch Perfect“ Platz gefunden hat.

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Mit „Descendants – Die Nachkommen“ hat Disney versucht, die eigenen Figuren fürs junge Publikum neu aufzulegen. Dies ist aber aufgrund der Höhen in puncto Jungdarsteller und Tiefen hinsichtlich der übertriebenen Inszenierung und schlechten Darstellung der Bösewichte nur mäßig gelungen, weswegen man „Descendants“ irgendwo zwischen Gut und Böse ansiedeln kann. Sicherlich kann man als erwachsener Disney-Fan einen Blick in „Descendants – Die Nachkommen“ riskieren – zum Beispiel an einem gemütlichen Sonntag Nachmittag, ohne jegliche Vorbehalte. Aber Vorsicht: Liebhaber der originalen Disney-Klassiker werden tendenziell vor Grausen aufstöhnen, die jugendliche Teen-Zielgruppe wird aber dagegen aufgrund der beliebten Disney Channel-Schauspieler, des Soundtracks und des durchaus frischen Looks den Film sicherlich feiern und lieben.

DISNEYS DESCENDANTS – DIE NACHKOMMEN
Am 30. August 2015 auf Disney Cinemagic und am 17. Oktober 2015 im Disney Channel

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