Kritik: Disney-Pixars „Coco – Lebendiger als das Leben“

Im neuesten Disney-Pixar-Animationsmeisterwerk „Coco – Lebendiger als das Leben“ unter der Regie von Lee Unkrich („Toy Story 3“) dreht sich alles um Familie, Musik und Mexiko. Kein Wunder also, dass das Produktionsteam von Pixar für das Meisterwerk, das über sieben Jahre in der Mache war, mehrere Recherchereisen nach Mexiko gemacht hat, um das Werk so authentisch und detailgetreu in unsere Kinos zu bringen. Ob der neueste Pixar-Streich im Endergebnis überzeugen kann, erzähle ich euch in meiner Kritik.

„So wie wir uns lieben, wird Geschichte geschrieben – mit jedem Klang meines stolzen Corazóns“ (Miguel)

Musik ist etwas, was uns im Herzen bewegt – tief in unserer Seele. So ist es nicht verwunderlich dass der kleine mexikanische Junge Miguel von Musik leidenschaftlich begeistert ist und Musiker werden möchte. Doch wie es mit Leidenschaften oft im Leben ist, kann dies nicht jeder verstehen – und bei Miguel ist es seine eigene Familie, die Musik verteufelt und ihn lieber als Schuhmacher sieht, der die große Familientradition weiterführt. Ausgerechnet am „Dia de los Muertos“, dem mexikanischen Tag der Toten, bricht Miguel aus und will an einem Musikwettbewerb teilnehmen – und gerät durch einen Zufall mitten in die Totenwelt, in der er nicht nur auf seine Toten trifft, sondern auch das tragische Geheimnis seiner Familie lüftet, die sich eng um Miguels Urgroßmutter Coco und den mexikanischen Starsänger Ernesto de la Cruz zu drehen scheint.

COCO

Familienfehde, Leidenschaft, Musik – und all das rund um den bekannten Dia de los Muertos: Das ist eine Kombination, die für Pixar durchaus etwas Neues ist. Es geht um das Vergessen – und vor allem auch um das Verzeihen. Diese Thematiken sind perfekt in eine doch äußerst runde Inszenierung voll von musikalischer Highlights und eingebettet. Und Disney-Pixar wäre nicht Disney-Pixar, wenn die Emotionalität der stärkste Faktor von „Coco“ ist. Während andere Animationsstudios immer noch einen Gag an den anderen reihen, so weiß Pixar auch bei „Coco“ mit authentischem Tiefgang und Emotionen zu überzeugen – so tief und ergreifend, dass manche Szenen mitten ins Herz treffen und man schleunigst nach einer großen Packung Taschentücher greifen möchte.

Natürlich kommt der Humor nicht zu kurz: Hochwertiger Slapstick – mit kreativen Skelett-Gags und dem netten Straßenhund Dante als Sidekick – wechselt sich mühelos mit herrlich absurdem Humor ab, der vor allem die Erwachsenen anspricht, denkt man nur an die grandiose Frida Kahlo-Szene. All diese Elemente machen „Coco“ zum perfekten Weihnachtsfilm für alle Altersgruppen.

Coco

Auch beim Storytelling und Drehbuch muss man Pixar in loben – allerdings auch ein wenig auf hohem Niveau tadeln. Denn hier greift man auf eine beinahe zu bewährte Erzählstruktur der letzten Jahre aus dem Hause Disney zurück, und so kommt der mittlerweile obligatorische Twist kaum überraschend. Jedoch ist die Wendung so feinfühlig und äußerst überraschend detailliert ausgearbeitet, dass man das Disney-Pixar auch sofort wieder verzeihen möchte. Im Gegenteil: Man taucht noch tiefer in die Geschichte ein, rückt nah an die Charaktere wie dem sonderlichen Schwindler Hector heran und findet sofort für diese einen Platz in seinem Herzen.

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Die Charaktere sind zudem Teil einer weiteren, sehr großen Stärke: seine unglaubliche Visualität. Selten hat man Animationsfilme gesehen, die so detailliert und echt wirken wie „Coco“. Die Texturen, das Licht, die Architektur und das komplette Design in der realen Welt und der Totenwelt sind so dermaßen farbenfroh, fein und hochwertig animiert, dass man sich in manchen Szenen die Augen reiben möchte. Und hat man geglaubt, dass „Zoomania“ aufgrund seiner Liebe zum Detail in der Königsklasse spielt, so setzt „Coco“ nochmals einen drauf. Alleine dafür müsste der Oscar 2018 für „Coco“ eine mehr als sichere Bank sein.

Die Musik als wichtige Thematik der Geschichte wurde auch im Soundtrack wundervoll ausgearbeitet – sei es nun im glorreichen Score von Pixar-Veteran Michael Giacchino („Ratatouille“, „Die Unglaublichen“), der traditionelle mexikanische Mariachi-und Gitarrenklänge auf eine elegante und wundervolle Weise verarbeitet hat, oder eben in den Songs, die verschiedene Songwriter für „Coco“ beigesteuert haben. Herausragend: Der Titelsong „Denk stets an mich“ aus der Feder des Komponistenduos Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez („Die Eiskönigin“) unterstützt eine der herzzerbrechendsten Szenen des Films – und ist auch in der Popversion im Abspann exzellent umgesetzt. Aber auch „Die Welt ist meine Familia“ oder „Un Poco Loco“ haben extrem hohes Ohrwurmpotenzial. Ich prophezeihe euch jetzt schon, dass nach eurem Kinobesuch die Musik bei euch rauf- und runterlaufen wird.

COCO

Wie bringt man Mexiko nach Deutschland? In puncto Synchronfassungen sind die Pixar-Filme in Deutschland in der Vergangenheit immer sehr gelungen vertont worden. „Coco“ bildet da ebenfalls keine Ausnahme –  mancher Songtext im Deutschen klingt stellenweise durchaus holpriger als im englischen bzw. spanischen Original. Karlo Hackenberger als Hector und Heino Ferch bzw. Alexander Doering als Ernesto de la Cruz stechen hier besonders positiv heraus, auch wenn der Hauch von Mexiko ohne Gael García Bernal und Benjamin Brett und ihre Akzente aus der Originalfassung durchaus ein wenig verloren gehen mag. Einen absoluten Glücksgriff hat man jedoch mit Salvatore Sciré („The Voice Kids“, „Das Supertalent“) als Gesangsstimme von Miguel gemacht. Solch Elan und Freude hat man in den vergangenen Jahren selten in deutschen Synchronfassungen gehört.

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Mein Fazit? „Coco“ kann als neues Pixar-Meisterwerk auf allen Ebenen begeistern. Packt eure Taschentücher ein, freut euch auf großartige und atemberaubende Welten und wundervolle Musik, die euch direkt im Herzen packt. „Coco“ ist sicherlich einer der besten Filme des Jahres und gehört zum Stärksten, was Disney-Pixar in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Ab ins Kino und eine kleine Reise nach Mexiko und in die fabelhafte Welt der Toten machen!

Eure Meinung ist gefragt: Plant ihr einen Kinobesuch für „Coco“? Oder habt ihr den Film bereits gesehen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

 

COCO – LEBENDIGER ALS DAS LEBEN
Ab 30. November 2017 in deutschen Kinos

Bilder: Disney-PIxar

2 Gedanken zu „Kritik: Disney-Pixars „Coco – Lebendiger als das Leben“

  1. Ich freue mich schon seit knapp einem Jahr auf diesen Film, nachdem du mich auf ihn aufmerksam gemacht hast! Deshalb liebe ich deine Updates in Sachen Neuerscheinungen 🙂 Und ich werde mir Coco natürlich im Kino ansehen!

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