Disneys Mulan: Was der Trailer verrät – und was nicht

Egal ob „Aladdin“ oder „Die Schöne und das Biest“: Realverfilmungen haben bei Disney derzeit im Produktionsplan höchste Priorität. Nach millionenschweren Kinokassenerfolgen nimmt man sich nun einem weiteren beliebten Animationsfilm an: Im Frühjahr 2020 bringt Disney die Realverfilmung von „Mulan“ in die Kinos. Dieses Mal geht Disney aber ein wenig neue Wege…

In den vergangenen Jahren wurde immer mehr Kritik laut, Disney würde zu sehr sich an seine Originalfilme halten. Fans stellten den Sinn der Verfilmungen in Frage, wenn man sich so genau an das Originalskript der Animationsklassiker halten würde. Offensichtlich hat man sich das zu Herzen genommen: Bereits im Vorfeld wurde bekannt, dass man bei „Mulan“ nicht die typische Disney-Realverfilmung erwarten darf. Der erste Teaser Trailer ist frisch veröffentlicht worden – und unterstützt die Infos, die seit Monaten rund um „Mulan“ kursieren.

Schaut euch hier den Trailer zur Realverfilmung von Disneys „Mulan“ an – und danach analysiere ich ein wenig, was wir im ersten Trailer bereits sehen und eben auch noch nicht sehen:

#1 Inspiration, aber kein „Remake“

Wir sehen schnell: Mulan ist „echt“. Weg ist der bunte Animationsstil, weg sind die fröhlichen Soldatenfreunde. Disney nimmt sich das Volksgedicht um „Mulan“ zu Herzen und lässt die Realverfilmung auf dem Ursprung der chinesischen Volkslegende basieren. Dadurch wirkt der Trailer ernster und erwachsener, jedoch auch echter. Ein junges Mädchen, das mutig für seinen Vater in die Schlacht zieht. Seien wir ehrlich: Erwartet man bei solch‘ einem Ansatz ein Musical?

Dennoch haben wir ein altbekanntes Gefühl: Wir sehen im Trailer Szenen, die wir aus dem Animationsfilm kennen, darunter auch die Brautschau-Szene rund um den Song „Ehre für das Haus“. Auch die Lagerszene, in der die Soldaten für den Kampf trainieren, kommen einem sehr bekannt vor. Und doch ist alles anders: Der Look & Feel ist asiatischer und authentischer. Daher weicht die Optik von „Mulan“ von 1998 ab. Mulan – gespielt von Liu Yifei – selbst trägt in vielen Szenen auch langes und offenes Haar, was ebenfalls mit dem Animationsfilm bricht. Auch eine Schwester wird gezeigt, wie es auch in der chinesischen Legende der Fall ist.

So wird der Animationsfilm nicht 1:1 verfilmt, sondern dient als Inspiration für die neue Version. Wir können daher nicht von „Remake“ reden, sondern viel eher von „Reboot“ oder „Neuverfilmung“.

#2 Fokus auf Action und Drama

Der Weg in Richtung Authentizität bringt die Live-Action-Verfilmung von „Mulan“ auch in neue Filmgenres. Wurde 1998 in „Mulan“ noch Comedy und Musical großgeschrieben, stehen eher die Kategorien „Action“ und „Drama“ im Fokus. Im asiatischen Film hat die Kategorie „Martial Arts“ eine große Bedeutung und passt bei einer Legende wie „Mulan“ schon beinahe wie die Faust auf’s Auge. Die Action-Szenen im Trailer erinnern daher im Produktionsdesign als auch in der Kampfchoreografie schon fast an bekannte Klassiker wie „Tiger & Dragon“ oder „Hero“. Unterstützt wird dies durch die Besetzung wie Donnie Yen („Ip Man“, „Rogue One“) und Jet Li („Romeo Must Die“), die im Martial Arts-Filmgenre als wahre Ikonen gelten.

Das Thema rund um weibliche Emanzipation besitzt auch eine ordentliche Portion Drama. Daher hat man sich mit der neuseeländischen Regisseurin Niki Caro eine Frau geholt, die dieses Metier gut versteht. Mit ihrem Erfolg „Whale Rider“ hat sie bereits ihr Talent mit kulturellen Stoffen rund um Legenden und starke Frauen bewiesen. Disney-Erfahrung konnte sie mit dem Sport-Drama „City of McFarland“ mit Kevin Costner sammeln. Wir dürfen daher erwarten, dass sie nicht nur den Action-Aspekt, sondern auch die emotionale Komponente der „Mulan“-Legende einfühlsam inszeniert.

#3 Mulan wird keine Musicalverfilmung

Singt ihr auch so gerne „Sei ein Mann“ laut unter der Dusche? Der originale Animationsfilm von Disney lebt von seinen Hits, die bei Fans Kultstatus geniessen. Aber Disney- und vor allem Musical-Fans müssen sehr stark sein: Die neue „Mulan“-Realverfilmung wird kein Musical.

Im Trailer sehen wir keine Gesangsszenen, keine Tanzmomente. Und genau das passt in Disneys Konzept, eine authentische und echte Verfilmung des Volksgedichtes um Mulan zu erschaffen. Lediglich das ikonische „Wer bin ich?“ („Reflection“) ertönt als epische Orchesterversion im Hintergrund des Teaser Trailers. Vielleicht können wir hoffen, dass bestimmte Melodien von Jerry Goldsmith, Matthew Wilder und David Zippel als Easter Egg im Soundtrack des Films auftauchen. Der Soundtrack zu „Mulan“ in 2020 kommt jedoch von Henry Gregson-Williams, der sich mit epischen Filmen wie „The Rock“, „Königreich der Himmel“ oder „Die Chroniken von Narnia“ bestens auskennt.

#4 Neue Charaktere – kein Mushu und kein Li Shang

Ein kleiner Wermutstropfen steckt jedoch in der Entscheidung Disneys, Mulan stärker am Volksgedicht zu orientieren: Der Drache Mushu und Mulans großer „Crush“ Li Shang werden im Trailer nicht gezeigt, weil sie laut vielen Berichten nicht in der Realverfilmung vorkommen werden. Ein großer Schock, ich weiß. Aber: Auch diese Entscheidungen sind nachvollziehbar, wenn man an das Hauptkonzept von Disney zu „Mulan“ denkt. Drama und Action statt Family-Comedy und Musical – und damit Nähe zur Ursprungslegende und Authentizität.

Auch der Bösewicht Shan Yu wird ersetzt mit einem neuen Charakter. Bori Khan, der im Teaser Trailer noch nicht näher gezeigt wird, ist ebenfalls ein Hunnenkrieger, jedoch mit mehr Tiefe. In der Realverfilmung von „Mulan“ bekommt er als Bösewicht klare Motive, warum er so handelt wie er handelt. Ein Falke fliegt dennoch durch den Trailer – vielleicht ein Hinweis, dass sie den Begleiter Shan Yus aus dem Animationsfilm tatsächlich übernommen haben. Möglicherweise handelt es sich aber auch um Mulans neuen Begleiter, einen Phönix.
An seiner Seite steht auch die böse Hexe Xian Lang, die ebenfalls noch nicht im Trailer zu sehen es – aber für die entsprechenden Fantasy-Elemente in „Mulan“ sorgen wird.

Was sagt uns das?

Disney geht mit „Mulan“ im Vergleich zu vorherigen Realverfilmungen seiner Animationsklassiker neue Wege. Man besinnt sich auf die Wurzeln und wandelt stärker auf den Pfaden des chinesischen Gedichts, auf dem auch „Mulan“ von 1998 basiert. Das mag zwar kontrovers sein, zeigt aber auch, was wir künftig von Disney-Verfilmungen erwarten können. Mit „Aladdin“ und „Die Schöne und das Biest“ haben wir Filme bekommen, die sehr stark am Original entstanden sind. Ist es jedoch nicht ein wenig ermüdend, wenn alle Realverfilmungen von Disney lediglich den Animationsfilm her nehmen und 1:1 umsetzen?

Die Frage hat mich persönlich sehr nachdenklich gemacht: Ich mag den Animationsfilm aus dem Jahr 1998 wirklich sehr. Für mehr Authentizität und Originalität finde ich den Weg, den Disney mit „Mulan“ hier einschlägt, jedoch deutlich gelungener.

Ihr braucht mehr Informationen? Ich bin mir sicher, dass wir Ende August zur D23 Expo in Anaheim / Kalifornien weitere Infos zu „Mulan“ erfahren werden. Der erste längere Trailer wird ebenfalls mehr von Disneys neuer „Mulan“-Verfilmung enthüllen.

Frage an euch: Seid ihr schon gespannt auf Disneys Realverfilmung von „Mulan“? Freut ihr euch auf den frischen Wind oder seid ihr traurig über die Änderungen im Vergleich zum Animationsfilm? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

Bilder: Disney

8 Gedanken zu „Disneys Mulan: Was der Trailer verrät – und was nicht

  1. Tatsächlich – umso mehr ich drüber nachdenke – finde ich das sehr spannend (im positiven Sinne). Es wirkt so, als ob Disney hier irgendwie die erwachsene Version von Mulan zeigen will. Deswegen gibt es auch die Änderungen bei den Charakteren und keine gesungenen Lieder. Das ergibt schon alles irgendwo Sinn. Ich bin sehr neugierig, auch wenn der erste Reflex war: „Wieso kein Mushu?“. Aber das ist der Reflex meines jüngeren Ichs, das die Zeichentrickversion kennt. Der Zeichentrickfilm bleibt ja schließlich.

  2. Bisher die einzige Realverfilmung die mich interessiert, aus den genannten Gründe. Ich denke ja auch, dass das umstrittene Arielle-Casting durchaus Gründe haben könnte, die über reine PR hinausgehen, und die Story angepasst werden wird. Interessiert mich alles mehr als Realfilme mit Geschichten, die ich ohnehin schon auswendig kenne.

  3. Mir ist beim Ansehen sofort aufgefallen, dass Disney hier einen anderen Weg geht. Und beim zweiten und dritten Mal ansehen ist klar, dass Mulan hier nicht als Musical funktionieren kann. Das finde ich auch vollkommen in Ordnung. Auch die Schauspieler passen sehr gut, was man zumindest bisher gesehen hat. Die ernstere Stimmung mag ich auch sehr. Ob die Entscheidung gut war, Mushu durch einen Phönix zu ersetzen, wird sich zeigen ;)
    Ich freu mich sehr.

    1. Das Austauschen von Charakteren stößt logischerweise nicht überall auf Verständnis, scheint aber durchaus dem Ziel zu dienen, sich vom Zeichentrickfilm abzuheben und klar zu machen: Es handelt sich hierbei nicht um eine Neuauflage des Zeichentrickfilms.

  4. Ein toller Beitrag! Ich bin ehrlich gesagt ein Fan dieser „neuen Wege“ die Disney einschlägt und super gespannt auf das Endresultat. Um auch der Kultur etc. etwas mehr Respekt zu zollen sind diverse Änderungen teilweise vielleicht sogar notwendig und ich finde es super, dass Disney sich mehr an dem Original orientiert, statt einfach nur die Zeichentrickversion 1 zu 1 nachzustellen. Dass der Cast nicht singen wird, stört mich nicht im Geringsten, dennoch hoffe ich auf eine musikalisch tolle Umsetzung mit Melodien und Klängen, die zum Film/jeweiligen Geschehen passen.

    Ansonsten mag ich es auch, dass wir hier einen wohl etwas „erwachseneren Film“ zu sehen bekommen – ich freue mich riesig drauf!

    Liebste Grüße
    Ivy

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