Bericht: „Star Wars Identities“ Ausstellung in München

Zu aller erst: Ich mag „Star Wars“. Sehr sogar. Die Filme, das Franchise, der gesamte Geschichtenkosmos, der im Dezember mit „Rogue One: A Star Wars Story“ noch erweitert wird. Daher war die Vorfreude entsprechend groß, für einen Nachmittag nach München zur Ausstellung „Star Wars Identities“ in der Kleinen Olympiahalle zu fahren. Vor wenigen Jahren hatte ich bereits „Harry Potter – The Exhibition“ mit der der lieben Klaudia von Klaudia bloggt angeschaut und fand’s recht gut gemacht. Kann die neue „Star Wars Identities“-Ausstellung mithalten?

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Warum „Star Wars Identities“? Warum nicht „Star Wars – The Exhibition“? Die Besonderheit des Ausstellungskonzept: Man bekommt neben einem Audioguide auch ein Armband, mit dem man im Laufe der Ausstellung sich seinen eigenen „Star Wars“-Charakter zusammenstellen kann. Jedi oder Dark Side, Chewbacca oder Ewok, Gutmütig oder egoistisch. All das kann man sich an verschiedenen Stationen zusammenstellen.

Nebenbei erlebt man auch viel über das Thema Identität und Charakterentwicklung. Dieser Gamification-Ansatz klingt im ersten Moment ziemlich spannend, ist aber in der Umsetzung nur kurzer Zeitvertreib, um über die Mängel der Expo hinwegzutäuschen.

So interessant der Grundgedanke der Identität auch ist: Die Kombination aus interaktivem Erlebnis zur Psychologie und „Star Wars“-Thematik wirkt gezwungen. Und das hat auch einen Grund: Man will den Mainstream ansprechen und eine breite Zielgruppe ansprechen. Das ist im Grunde genommen nichts schlechtes. Dadurch kratzt die Ausstellung nur an der Oberfläche des Franchises.

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Natürlich sind Exponate wie Anakins Podracer, Originalkostüme von Darth Vader & Co. und detaillierte Artworks schön anzusehen. In Hinblick auf die Anzahl und die Art der Präsentation wirken sie aber eher wie eine Schnellschussaktion, um nach „The Force Awakens“ vom Hype zu profitieren. Denn die Anzahl der Ausstellungstücke ist extrem begrenzt.

Und da kommen wir an einen weiteren wunden Punkt der Ausstellung: „The Force Awakens“. Obwohl Episode VII bereits vor zehn Monaten in den Kinos aufschlug, gibt es kaum Bezug zum neuesten Teil der Saga. Die Ausstellungsstücke sind an einer Hand abzählbar und verhältnismäßig unspektakulär. In meiner Identitätsfindung kann ich keine Einflüsse von „The Force Awakens“ nehmen. Vorbild: Obi-Wan Kenobi. Was ist aber, wenn ich Rey oder Kylo Ren toll finde? Oder wenn ich auf Jakku wohnen würde. Alles keine Option. All das hätte sich sicherlich integrieren lassen – wenn man denn nur gewollt hätte.

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So wird man von einer Identitätsstation zur Nächsten getrieben, bei der die Exponate traurigerweise irgendwie nur als Beiwerk dienen. Als Filmfan liegen mir dann mehr Dinge am Herzen: Behind-the-Scenes-Eindrücke, thematisierte Bereiche, um die Exponante im Szene zu setzen. Details wie Produktionstechnik, Puppenspiel, Animatronics. All das fehlt bei „Star Wars Identities“ komplett.

Und auch hier ist die breit anvisierte Zielgruppe „Schuld“: Die interessiert das Ganze ja nicht, müssen sich wohl die Veranstalter gedacht haben. Zu viel „Nerdkram“. Dabei ist „Star Wars“ eines der nerdigsten Franchises überhaupt. Und so geht es traurigerweise eher um den leichten Unterhaltungswert als um Einblicke, Atmosphäre und die Filme an sich.

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„Star Wars Identities“ lässt sich qualitativ leider auch absolut nicht mit dem Star Wars Erlebnis in den Disney Parks vergleichen. Mittlerweile gibt es in vielen Disney Themenparks die sogenannte „Star Wars Launch Bay“. Eine Mischung aus Mini-Ausstellung, Foto-Locations und Character Meet & Greet, bei denen man Chewbacca, Kylo Ren oder Darth Vader treffen kann.

Alle Launch Bays weltweit sind hinsichtlich ihrer Größe äußerst überschaubar – im Vergleich zu „Star Wars Identities“ sind aber die Bereiche qualitativ um Welten besser konzipiert und lassen auf weniger Quadratmetern mehr Atmosphäre entstehen und komplett auf die Filme einzahlen. Und hier ist das Erlebnis bereits Teil der Eintrittskarte.

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Fazit: Mit der Auststellung „Star Wars Identities“ wurde eine große Chance verpasst. Familientauglichkeit und Zugänglichkeit für den Mainstream? Definitiv. Dadurch wurde aber der Kern, nämlich die berühmte Filmreihe „Star Wars“ und ihre Entstehung, komplett verwässert. Und deswegen bleibt leider ein fader Beigeschmack zurück, dass man mit „Star Wars Identities“ nur an der Oberfläche herumdümpelt und dadurch irgendwie kein richtiges „Star Wars“-Feeling aufkommen mag. Das geht besser. Schade!

„Star Wars Identities“ war in München vorerst zum letzten Mal in Deutschland zu sehen und zieht danach nach London.

Bilder: Spinatmädchen

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