Kritik: Disneys tierischer Animationsfilm „Zoomania“

disney-zoomania-kritik-poster

Nach Prinzessinnen mit überlangen Haaren und eisigen Kräften, vermeintlichen Videospiel-Bösewichten und weißen, aufblasbaren Gesundheitsassistenten stehen seit fünf Jahren wieder Tiere im Fokus von Disney Animation. Im Animationsfilm „Zoomania“ sind nun die Tiere an der Macht in ihrer eigenen Stadt, die Disney als clevere Parabel auf unsere Gesellschaft mitten in einem tierischen Krimi nutzt.

Frisch nach ihrem Abschluss an der Polizeiakademie, kommt die junge Hasendame Judy Hopps als wahrhaftiges Countrygirl mit viel Ambition und Ehrgeiz in die große Stadt Zootopia, um dort als Polizistin anzufangen. Doch die großen Träume lösen sich in Luft auf, als sie nicht für die Mordkommission eingeplant wird, sondern erst einmal als Politesse undankbare Strafzettel fürs Falschparken verteilen darf. Nur durch einen Zufall gerät Judy zusammen mit dem ausgebufften Fuchs Nick Wilde mitten in eine große und mysteriöse Verschwörung, welche die Einwohner von Zootopia in Atem hält.

ZOOTOPIA

„Zootopia“ ist vor allem eines: ein perfekter Showcase von Walt Disney Animation und eine Darbietung, was Disney alles aktuell im Bereich Animation drauf hat. Man hat als Zuschauer das Gefühl, dass hier alles aufgefahren wurde, was nur möglich ist. Selten wurde im CGI-Bereich eine Stadt so schillernd und detailliert dargestellt wie in diesem Fall Zootopia. Das Character Design ist lebendig und realistisch – und zwar so, dass jeder Zuschauer nicht einen Hasen oder einen Fuchs sieht, sondern sich damit sofort identifizieren kann. Kinder werden inspiriert sein, und vor allem junge Frauen werden sich sicherlich in Judy wiederfinden.

Dass „Zoomania“ eine große Portion Humor beweist, hat man bereits in den Trailern gesehen. Co-Regisseur Rich Moore bringt als „Die Simpsons“-Veteran den Humor mit, der bereits schon in „Ralph reichts“ für Disney-Verhältnisse äußerst erfrischend war. Bereits die Eröffnungsszene ist hinreißend – und auch im weiteren Verlauf strotzt der Film nur von einfallsreichen Gags, gutem Slapstick und einer netten Portion Selbsthumor, die vor allem Erwachsenen gefallen wird. So bietet „Zoomania“ nicht nur eine Anspielung auf „Breaking Bad“, sondern auch vielleicht die bislang beste Parodie auf den Filmklassiker „Der Pate“.

ZOOTOPIA

Die abwechslungsreiche und abenteuerliche Musik von Michael Giacchino voller aufregender Percussions prägt zusätzlich das Abenteuer, das in der tierischen Metropole hinter jeder Ecke steckt. Selbst die Integration des Popsongs „Try Everything“ von Shakira, die auch den Zootopia-Popstar Gazelle spricht, gelingt, ohne als aufdringliches Product Placement zu wirken. Wer sich wundert, warum er den Song nach dem Abspann nicht mehr aus dem Kopf bekommt, sollte nicht überrascht sein: Keine geringere als Sia Furler („Diamonds“, „Chandelier“) hat in Kollaboration mit dem norwegischen Produzententeam Stargate (u. a. „Firework“ für Katy Perry) den Titelsong zu „Zoomania“ geschrieben.

Jeder, der sich wegen dem wahnwitzigen Trailer mit Faultier Flash „Zoomania“ ansehen wird, wird eine große Überraschung erleben. Als ob das nämlich bei all dem großartigen Design, der Detailtiefe und des brillanten Humors noch nicht genug Service für den Zuschauer seitens Disney wäre, packen die Regisseur Byron Howard und Rich Moore noch einen drauf und erweitern das Konstrukt um wichtige gesellschaftliche Themen. Wer hätte gedacht, dass „Zoomania“ trotz der fetzigen Faultier-Gags eine Parabel zu den Themen Rassismus und Sexismus bietet? Damit zeigt Disney, dass sich Mainstream-Animationskino absolut trauen kann, nicht nur das typische und meist oberflächliche Familien-Kinder-Gagkino zu bieten. Vor allem in Europa ist „Zoomania“ dadurch aktueller denn je.

ZOOTOPIA

Die Qualität von „Zoomania“ ist es, die einen beeindruckt im Kinosaal nach dem Abspann zurücklässt und beweist, dass Walt Disney Animation nun entgültig auf einer Ebene mit Disney-Pixar angekommen ist. Damit holt sich Disney wieder die Krone zurück und lässt angekündigte Filme der Konkurrenzstudios in jeder Hinsicht jetzt schon völlig verblassen. Die hohe Detailverliebtheit der Schmelztigelstadt birgt so viel Potenzial, dass das Gefühl besteht, dass die Story von Judy und Nick und ihren Abenteuern in Zootopia noch lange nicht vorbei ist. Selten hat ein Disney-Film daher so laut „Sequel! Fortsetzung!“ gerufen, wie es bei „Zoomania“ der Fall ist. Und zwar dieses Mal endlich berechtigt.

Trotzdem muss es leider kleine Abzüge in der A-Note geben: Gerade Walt Disney Animation hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wie man spannend und durchaus überraschend eine Story erzählen kann. Hat man in den letzten Jahren Filme wie „Ralph reichts“, „Die Eiskönigin“ und „Baymax – Riesiges Robowabohu“ gesehen, so kommt einem die Erzählstruktur in „Zoomania“ dieses Mal etwas zu bekannt vor. Gerade der bei Disney Animation etablierte Twist aus den letzten Jahren ist in „Zoomania“ nach vorangegangenen Disney-Animationsfilmen nur wenig überraschend, weswegen man sich hier vielleicht eine andere Erzählidee gewünscht hätte.

ZOOTOPIA

Die deutsche Synchronisation blieb mir in der Pressevorführung leider vorenthalten. Freunde der Originalversionen sollten an „Zoomania“ ihre helle Freude haben, da sich hier ein großartiger Cast an Sprechern versammelt hat, die in „Zoomania“ leidenschaftlich bei der Sache sind. Ginnifer Goodwin („Once Upon A Time“) als Judy Hopps erweckt den aufstrebenden Elan und die Lebensfreude wahrhaftig zum Leben. Jason Bateman („Arrested Development“, „Kill The Boss“) als gerissener Fuchs Nick Wilde ist ein absoluter Hochgenuss und im Bereich Animationsfilm vielleicht eine der besten Sprecherleistungen der letzten Jahre.

Fazit: „Zoomania“ ist schlau, lustig und tiefgründig und verweist damit die sowohl die Animationsfilm-Konkurrenz als auch so manchen Realfilm im Kinojahr 2016 bereits jetzt schon vollkommen in die Schranken. Für die Oscars 2017 ist „Zoomania“ sicherlich bereits jetzt schon aufgrund seiner cleveren Mischung aus Gesellschaftssatire und Animationsspaß gesetzt. Anschauen!

Bilder: Disney

2 Gedanken zu „Kritik: Disneys tierischer Animationsfilm „Zoomania“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s